Was wäre die Branche der geschlossenen Fonds ohne die kleinen Emissionshäuser?
Leo Fischer
Die kleinen Emissionshäuser stehen oft im Schatten der großen. Ihre Platzierungskraft ist meist wesentlich geringer, aber zahlreiche Innovationen kommen gerade von neuen und kleinen Initiatoren und Außenseitern, die Trends schneller erkennen und umsetzen.
Die Großen werden immer größer. Das gilt überall in der Wirtschaft und auch bei den Anbietern von geschlossenen Fonds. Vor zehn Jahren entfiel auf die Top Ten der Branche mehr als ein Drittel (34,11 Prozent) des platzierten Eigenkapitals. Im letzten Jahr sammelten die zehn größten schon 43,57 Prozent des Zeichnungskapitals ein.
Allerdings, der erste Eindruck täuscht wie so oft. Im Jahr 1997 ermittelte Stefan Loipfinger in seiner alljährlich erscheinenden Absatzstatistik, die damals noch „Marktanalyse der steuersparenden Kapitalanlagen“ hieß, etwas mehr als 120 Anbieter von geschlossenen Fonds. Sie umfassten damals nur drei Segmente; Immobilien, Leasing und Schiffe. Im letzten Jahr ergab sich mit 373 eine Rekordzahl von Emissionshäusern. Den bemerkenswerten Zuwachs erklärt Loipfinger mit der Einführung der Prospektprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Jahr 2005.
„Mit Einführung der BaFin-Gestattung wurden vor allem die kleinen, in der Branche bisher so gut wie unbekannten Initiatoren öffentlich“, sagt Stefan Loipfinger. Das erkläre zumindest den gewaltigen Sprung von 175 (2004) auf 343 (2005). Gleichwohl ist festzustellen: Die große Mehrheit der inzwischen 373 Initiatoren sind nicht den großen, sondern den kleinen bis klitzekleinen zuzurechnen. Im letzten Jahr erreichten nur 28 Häuser einen Absatz von mehr als 100 Millionen Euro, nur 45 brachten es auf 50 Millionen Euro. Und mehr als 150 Anbieter platzierten lediglich einen einstelligen Millionen-Betrag. 275 Initiatoren, die in früheren Jahren zumindest einen geschlossenen Fonds aufgelegt hatten, waren 2006 überhaupt nicht am Markt aktiv.
Dominiert wird der Absatz der geschlossenen Fonds von den Großen wie
Marktführer MPC oder KGAL und HCI oder Lloyd Fonds, die zum Teil auch an der Börse notieren und daher allein schon aufgrund ihrer Ad-hoc-Pflicht-Mitteilungen im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Aber die von Torsten Teichert, dem Vorstandschef von Lloyd Fonds, oft beschworene Konsolidierung der Branche, an der sein Unternehmen als übernehmende Gesellschaft teilnehmen soll, hat bislang nicht stattgefunden.
Die Davids gegen die Goliaths
Noch nie standen einigen Großen so viele Kleine gegenüber, sie bilden das berühmte Salz in der Suppe. Viele allerdings bringen in manchen Jahren gar keinen Fonds auf den Markt. Ob sie bei Minimumsätzen wirklich auf Dauer überleben können, wird sich erweisen. Bislang ist eine Konsolidierung lediglich bei den Vertrieben festzustellen – oder bei den ganz Großen, wie der Einstieg von MPC bei HCI zeigt.
Fest steht: Ohne die kleinen Initiatoren wäre die Produktpalette der geschlossenen Fonds ärmer, jedenfalls bei weitem nicht so facettenreich. Denn für einige Novitäten der letzten Jahre zeichnen die Kleinen verantwortlich. Gerade bietet der Riese Deutsche Bank ihren wohlhabenden Kunden wieder einen Patentefonds an, nachdem sie bereits im Jahr 2006 einen ähnlichen Fonds platziert hatte.
Erfinder des Patentefonds ist jedoch die kleine Firma Finance System, die bereits im Jahr Jahr 2005 mit dem Patent Invest 1 den ersten geschlossenen Patente-Verwertungsfonds auf den Markt gebracht hat. Derzeit bereitet der Initiator seinen zweiten Patentefonds vor. „Wir arbeiten derzeit an einem weiteren innovativen Fondskonzept, über das im Moment leider noch nichts Näheres verbreitet werden darf“, meint Andreas Fritsch, der geschäftsführende Gesellschafter von Finance System. Patenteverwertung ist eine lukrative, bislang vernachlässigte Assetklasse, die Deutsche Bank stellt Renditen von mindestens zwölf Prozent im Jahr in Aussicht. Auch andere wie Vevis sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen.
Auch der aktuelle Partner der Deutschen Bank in Sachen Patenteverwertung ist ein kleiner. Im Mai 2007 bot die Deutsche Bank ihren wohlhabenderen „Private Wealth Management“-Kunden den Patent Select II an. Co-Initiator bei diesem Patentefonds war ein kleines Emissionshaus mit dem beziehungsvollen Namen Clou-Partners, das 2006 zum ersten Mal mit einem platzierten Kommanditkapital von 24,5 Millionen Euro in der Loipfinger-Liste (auf Rang 69) erschien. „Und wer die Deutsche Bank kennt, der weiß auch: Die suchen sich ihre Partner ganz besonders genau aus.“ Diese Worte stammen von Teichert und waren auf den Lloyd Fonds Schiffsportfolio I gemünzt, der exklusiv über die Schalter der Deutschen Bank verkauft wurde. Aber sie gelten auch für Clou-Partners.
Nicht weniger sorgfältig dürfte der deutsche Bankenprimus bei der Auswahl von Clou-Partners vorgegangen sein. Allerdings: Einen Schiffsfonds von der Größe des von Lloyd-Fonds konzipierten für die Deutsche Bank bereitzustellen, würde die Kapazitäten vieler kleiner Schiffsfondsanbieter übersteigen. Da ist ein platzierungsfähiges Kapital von 80 bis 100 Millionen erforderlich.
„Eine Reihe neuer und für Anleger hochinteressanter Konzepte, deren
Markterfolg sich anfangs nur schwer abschätzen ließ, würde es heute ohne die Innovationskraft und Entscheidungsfreudigkeit kleiner Initiatoren nicht geben“, konstatiert Steffen Möller, Chief Executive Analyst von Scope Analysis. Das gilt auch für die Vermietung von Triebwerken, ein Konzept, das GSI entwickelt hat. Im November soll nach langer Vorbereitungszeit der zweite Fonds auf den Markt kommen.
Der Triebwerksfonds erwirbt und vermietet Ersatz-Triebwerke an Flugverkehrsgesellschaften, um lange Flugstandzeiten zu vermeiden. Während die Turbinen gewartet oder repariert werden, kommen Ersatztriebwerke zum Einsatz. „Beim Leasing von Triebwerken handelt es sich um einen Markt für Spezialisten“, erläutert Gerhard Krall, Partner und Geschäftsführer des Emissionshauses GSI. „Jedes Triebwerk ist ein Unikat, nur wenige haben das Know-how, um sich auf diesem Markt zu betätigen.“
Daher fand dieses Konzept bisher auch keine Nachahmer in einer Branche, die sich früher einmal nicht nur im steuerlichen Sinn als Abschreibungsbranche bezeichnete. Und auch Krall muss sich nach neuen Feldern umsehen, wenn das Unternehmen nicht klein bleiben soll. Auch das Privatbankhaus M. M. Warburg & Co aus Hamburg fand Gefallen an dem kleinen Nischenanbieter und erwarb 50 Prozent des Gesellschaftskapitals.
Leasinggesellschaft: People´s Business
Das Konzept des Triebwerkfonds orientiert sich stark an den Containerfonds. Das ist kein Zufall, hatte Krall doch zunächst für einen anderen Initiator einen Containerfonds entwickelt, der dann aber nicht in die Platzierung ging. Auch das Leasinggeschäft mit Containern erfordert viel Spezialwissen und gute Kontakte in die Seeverkehrswirtschaft. Keiner der großen Schiffsfondsinitiatoren hat es geschafft, in den Markt der Container zu expandieren, obwohl das nahegelegen hätte und entsprechende Pläne auch zeitweise verfolgt wurden. Und es handelt sich um ein Wachstumssegment: Pro Stellplatz auf einem Containerschiffe werden 2,5 Container benötigt. Und die Flotte wächst in den nächsten Jahren kräftig.
Außenseiter waren es auch, die die Produktlinie Containerfonds entwickelten. Große Initiatoren, die in das Geschäftsfeld vordringen wollten, haben davon Abstand genommen, weil persönliche Kontakte und ein umfangreiches Netzwerk unverzichtbar sind. „Containerfonds ist ein People’s-Business“, meint ConRendit-Geschäftsführer Torsten Reuter. Inzwischen haben sich die Containerfonds durchgesetzt und die ehemals kleinen Anbieter, die die Nische entdeckt haben, sind mit der Nische größer geworden. Marktführer Buss Capital sammelte im vergangenen Jahr fast 100 Millionen Euro ein und konnte sich damit deutlich vor etablierten Schiffsfondsinitiatoren wie Hansa Treuhand und Gebab positionieren. Gestartet war Buss im Jahr 2004 mit 24 Millionen Euro. Aber die Segel streichen mussten einige große Initiatoren, die in die Nische eindringen wollten. Ihnen fehlten die Kontakte zu den Leasingfirmen.
Schroeder & Co, schon seit 2001 auf dem Markt, kam 2006 auf ein Platzierungsvolumen von 42 Millionen Euro und damit auf Rang 49. Sowohl Schroeder & Co als auch Buss wird die ursprüngliche Marktnische zu eng: Buss kündigt (wie im Übrigen auch HPC) den ersten Schiffsfonds (Kategorie Flusskreuzfahrt) an, Schroeder, ursprünglich Anbieter von reinen Containerfonds, hat sein Produkt auf Logistik (Container, gebrauchte Containerschiffe und LKW-Chassis und Eisenbahnwagen) ausgeweitet. Das erweiterte Konzept wird offensichtlich angenommen: „Wir haben das Kommanditkapital wegen der starken Nachfrage der Zeichner zunächst von 30 auf 50 und nun erneut von 50 auf 70 Millionen Euro erhöht“, freut sich Firmengründer und -Chef Michael Schroeder. Damit kann Schroeder in Zukunft kaum noch als Kleiner gelten. Das ist systemimmantent: Ein Kleiner, der wachsen will, muss die Produktpalette ausweiten und wird, wenn er erfolgreich ist, am Ende zu den Großen gehören.
Allerdings auch andere Containerfonds verkaufen sich sehr gut, wie die schnelle Platzierung des ConRendit 8 beweist. Trotz des Störfeuers von P & R, der nach eigenen Angaben Marktführer bei Containeranlagen ist, aber seit Jahren nur noch Container-Direktanlageprogramme vertreibt. Die öffentlichkeitscheuen Münchner, die Journalistenanfragen grundsätzlich nicht beantworten, stießen sich an der Behauptung von ConRendit, den ersten geschlossenen Containerfonds erfolgreich aufgelöst zu haben. Das sei P & R schon zwei Mal gelungen – aber leider ganz im Verborgenen. Der Kleinkrieg ändert nichts daran: ConRendit konnte einen Containerfonds nach nur zwei Jahren mit einer Rendite von zehn Prozent pro Jahr für die Anleger auflösen.
„Ohne die kleinen Häuser wäre der Wettbewerb der Ideen in der Branche der geschlossenen Fonds sicher weniger intensiv“, meint Scope-Chefanalyst Möller. Das lässt sich auch an den Infrastrukturfonds festmachen. Gewiss, die Idee kam von der australischen Bank Macquarie, aber erstmals mit drei Zielfonds umgesetzt hat diese Idee in Deutschland 2007 HPC. Mittlerweile kam eine ganze Flut von Infrastrukturfonds auf den Markt, aber keiner mit einer so starken Diversifizierung.
Das kleine Emissionshaus HPC war es auch, das den US-Hypothekenfonds entwickelte. Deutsche Struktured Finance, seit 1996 am Markt und mit Flugzeugfonds bekannt geworden, und vor allem als einer der Großen, die börsennotierte HCI, griffen die Idee auf. Die BAC Berlin Atlantic Capital AG, Emissionshaus für USPolicenfonds, ist gerade dabei, die 2002 von BVT gestartete Produktlinie der US-Zweitmarktlebensversicherungsfonds weiterzuentwickeln. Die neue Idee heißt Initiierung von Zweitmarktverträgen, mit der sich die Fonds von der Marktentwicklung (steigende Preise und sinkende Einkaufsrenditen) und von den medizinischen Gutachten abkoppeln könnten.
Die Methode ist nicht unumstritten, aber sie ist „durchaus möglich, wenn die Rahmenbedingungen eingehalten werden“, versichert BAC-Gründer und Vorstandsvorsitzender Franz-Philippe Przybyl. Realis, Tochter der Bayerischen Landesbank, Nummer 13 in Loipfingers Platzierungsrangliste für 2006, hat sich bei ihrem letzten US-Policenfonds im Prospekt ausdrücklich die Möglichkeit offen gehalten, von Investoren initiierte Policen zu erwerben und auch selbst solche zu initiieren.
Nicht alles kopierbar
Aber nicht alle Konzepte der Kleinen eignen sich zur Nachahmung durch Große. Das gilt für das Geschäftsmodell von Fairvesta. Die Heilbronner Gesellschaft erwirbt für ihre Fonds Immobilien aus Bankenverwertung und Zwangsversteigerung. Hier liegen die Einkaufspreise deutlich unter dem Verkehrswert und die Eingangsrendite oft bei den mindestens angestrebten zehn Prozent. Davon können die großen Emissionshäuser, die geschlossene Fonds mit Bestandsimmobilien auflegen, nur träumen. „Wir bewegen uns in einem Nischenmarkt“, räumt Otmar Knoll, bei fairvesta für den Einkauf zuständig, ein, „der aber Fachwissen und ein gutes Netzwerk erfordert“. In der Tat: Es handelt sich um einen kleinen Ausschnitt des Immobilienmarkts, damit ist das Wachstum begrenzt, aber das bedeutet auch Schutz vor einem Markteintritt der Großen.
Ähnlich sieht es bei attraktiven Einzelhandelsimmobilien aus. „Der Bau
großer Einzelhandelsimmobilien ist durch die Baunutzungsverordnung stark reglementiert, sodass sich für bestehende Handelsimmobilien faktisch eine besonders geschützte Wettbewerbsposition ergibt“, weiß Martin Brieler, Vertriebschef von ILG. Einzelhandelsflächen sind praktisch nicht mehr vermehrbar, gleichgültig ob es sich um Lagen außerhalb der Städte handelt oder um die Fußgängerzonen in den größeren und kleineren Städten. Auf diese Nichtvermehrbarkeit der Handelsflächen setzen Große wie Hahn (die aber im Vergleich zu den marktbeherrschenden Anbietern von Büroimmobilienfonds immer noch als klein gelten – trotz Börsennotierung) und ILG sowie der weitgehend unbekannte Düsseldorfer Anbieter WIT (Wirtschafts- und Industrie-Treuhand). Allerdings, weil so schwer Objekte für Fonds zu finden sind, will ILG nun in den Sektor Pflegeheime expandieren.
Dort hat sich in den letzten Jahren bereits ein anderer Kleiner etabliert, die Hamburger Immac. Das Unternehmen hat sich seit 1996 auf den Betrieb von Alten- und Pflegeheimen spezialisiert und kann eine gute Leistungsbilanz vorweisen. „Alle Immac-Fonds seit 1997 liegen mit ihren Ausschüttungen im Plan“, freut sich Thomas F. Roth, Vorstandsvorsitzender der Immac Holding AG. Nicht nur das besondere Know-how bei der Investition in Alten- und Pflegeheimen und beim Controlling der Betreiber zeichnet das Unternehmen aus. Als einer der ersten ist Immac zu monatlicher Ausschüttung übergegangen. Diesem Beispiel folgt nun auch ILG, beginnend mit dem Fonds 31. Auch in diesem Punkte erweisen sich die kleinen als „Pacemaker“.
Vor allem die erfolgreiche Produktlinie Schiffe zieht immer neue Initiatoren an. Die jungen und zwangsläufig kleinen haben sich dem ihnen adäquaten Segment verschrieben, den kleinen Schiffen, die von den etablierten Emissionshäusern bei den Neubestellungen vernachlässigt wurden. In den nächsten drei Jahren kommen Containerschiffe zur Auslieferung mit einer Kapazität, die 50 Prozent der fahrenden Flotte entspricht. Aber: „Der größte Teil der Neubestellungen entfällt auf die großen Schiffe“, erklärt der Schiffsmarkt- Analyst Michael Niefünd.
„Die Jumbos der Meere, die von Hub zu Hub fahren, brauchen zunehmend Schiffe, mit denen die Container weiter zum Zielhafen transportiert werden“, erläutert Thomas Ritter, Geschäftsführer der Hamburgischen Seehandlung, die auch zu den kleineren Emissionshäusern zählt. Und diese Zulieferdienste übernehmen Feederschiffe, die heute über bis zu 3.000 TEU verfügen. Die natürlichen Investitionsobjekte der Kleinen sind demnach die Feederschiffe.
Der zweite Publikumsfonds von AppenCapital, 2005 gegründet, ist die MS Appen Paula, ein 1.000 TEUContainerschiff. EEH, Elbe EmissionsHaus, das Ende 2004 gegründet wurde, ist derzeit mit einem 468 TEU-Schiff auf dem Markt. Auch PCE Premium Capital Emissionshaus begann 2004 mit einem 1.016 TEU-Containerschiff und hat gerade ein 2.740 TEU-Schiff ausplatziert. PCE gilt schon in gewisser Hinsicht als Vorreiter und legt seine Schiffsfonds vorwiegend als Dollarfonds auf, weil die Einnahmen und rund 90 Prozent der Ausgaben in Dollar erfolgen. Die deutschen Banken (Deutsche Bank und CFB) tun das schon lange.
Mit einem etwas größeren Feederschiff (2.732 TEU) bringt die Ship Invest Emissionshaus AG ihre zweite Schiffsbeteiligung auf den Markt. Aber ein Neuling ist das 2005 gegründete Unternehmen nicht, hinter Ship Invest stehen der Kapitän und der Reeder John-Peter Wulff, Inhaber der Reederei Hermann Wulff, und die Salomon & Partner Invest GmbH & Co. KG, die die Idee der Zweitmarktfonds (maritim invest) für Schiffe mitentwickelt hat und heute Marktführer ist. Aber klein will Ship Invest nicht bleiben. „Wir werden weitere interessante Schiffsfonds auflegen, aber es wird kein Wachstum um jeden Preis geben“, so Vorstand Werner Großekämper, zuvor mehr als 25 Jahre in Diensten der Norddeutschen Vermögen.
„Mit diesem Fonds landet das noch junge Emissionshaus Ship Invest einen wirklichen Volltreffer“, meint Michael Rathmann, der Chef von Mira-Anlagen. Und er fügt hinzu: „Drei Dinge braucht eine gute Schiffsbeteiligung! Günstiger Kaufpreis, guter Chartervertrag und guter Charterer. Der Fonds MS ,Herrmann Wulff‘ erfüllt alles!“ Neue Unternehmen, die zwangsläufig klein anfangen, können natürlich keine Leistungsbilanz vorlegen. Sie können nur auf die Erfahrung der handelnden Personen hinweisen, die ihre Meriten bei anderen Häusern verdient haben. Das gilt nicht nur für Ship Invest, sondern auch für AppenCapital. Das Emissionshaus wurde 2005 gegründet und bietet nach einigen Privatplatzierungen den zweiten Publikumsfonds an. Das Haus gehört aber zu einer Gruppe mit 40-jähriger Historie. Die Appen Group, die von Gründungsgesellschafter Detlef von Appen geführt wird, betreibt über ihre Tochter Appenship einen monatlich verkehrenden Liniendienst von europäischen Häfen in südöstliche Länder Asiens wie Singapur, Thailand, Vietnam, Malaysia und Indonesien sowie weitere Staaten in Fernost. Robert von Appen, der Sohn von Detlef von Appen, leitet das Emissionshaus.
Gute Leistungsbilanzen
„Aber einige der kleinen Emissionshäuser, die bereits ein paar Jahre auf dem Markt sind, haben zum Teil hervorragende Leistungsbilanzen, um die sie mancher Große beneiden dürfte“, meint Jürgen Schuy, geschäftsführender Projektleiter von ProCompare, einer Gesellschaft, die Leistungsbilanzen auswertet. Zu diesen zählt er PCE, SL Wind und Premicon, die alle ein sehr gutes Management haben. Philip Nerb, selbstständiger Analyst für geschlossene Fonds, nennt in diesem Zusammenhang Hahn, Schroeder, Jusa Invest und Oltmann. Scope hebt US-Treuhand und Immac hervor.
Die kleinen Emissionshäuser konzentrieren sich auf kleine Investitionsobjekte, nicht nur bei Schiffen. Midas in Köln hat sich der kleinen mittelständischen Firmen aller Branchen angenommen. Das 2000 gegründete Pivate Equity-Unternehmen finanziert Firmen, die maximal zwei Millionen Euro Eigenkapital benötigen. Der MIDAS Mittelstandsfonds (Nr. 1) hat die prospektierten Ausschüttungen von sieben Prozent von 2002 bis 2006 vorgenommen. Midas wirbt mit einem Alleinstellugnsmerkmal: Durch eine Garantie des Landes Nordrhein-Westfalen sollen das investierte Kapital und die Rendite zu 80 Prozent abgesichert werden. Eine Landesbürgschaft wurde bislang bewilligt.
Jung, klein ... aber auch fein?
Klein und fein – das reimt sich gut, gilt aber durchaus nicht immer, auch wenn die kleinen Häuser etwas damit kokettieren. Und ebenso wenig wie klein und fein Zwillinge sind, bilden jung und klein eine Zwangsgemeinschaft. Ein Beleg dafür könnte Castor sein. Das Haus wurde 1994 gegründet, hat zahlreiche Schiffe auf den Markt gebracht, aber mit einer weniger guten Leistungsbilanz. Immerhin weist diese aber seit Jahren eine Tendenz zur Besserung auf und Geschäftsführer Ralf Soboll kündigt an: „Die 2006er wird wieder besser als die von 2005.“ Der Initiator hat die hohen Preise genutzt, um Schiffe zu verkaufen, damit den Anlegern einen Ausstieg mit Gewinn ermöglicht und dabei den Verlust von Managementgebühren in Kauf genommen. Das haben nur wenige getan.
„Es werden nur Fonds aufgelegt, wenn interessante Investmentchancen gesehen werden“, erläutert Kai P. Bender, Geschäftsführer der Acron GmbH, Düsseldorf, die sich auf USImmobilienfonds spezialisert hat und mit einer Schwestergesellschaft vor Ort in den USA vertreten ist, den Vorteil eines kleinen Emissionshauses. Derzeit ist Acron der einzige Initiator, der mit einem US-Core-Immobilienfonds auf dem Markt ist. Auch ein Alleinstellungsmerkmal, wo alle Großen ihr und des Anlegers Heil in Opportunity-Strategien suchen.
Nicht nur inhabergeführt ist Acron, sondern auch ein wirkliches Familienunternehmen. Gegründet wurde das Haus von Rechtsanwalt Klaus W. Bender 1981, der heute die Geschäfte in der Schweiz führt. Seine Söhne Rechtsanwalt Kai P. Bender und Dipl.-Kfm. Peer Bender teilen sich die Geschäftsführung in Düsseldorf, Schwester Kristina Bender ist für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Die Anleger kennen die Eigentümer, die seit Jahren die Verantwortung tragen, und die Investmentphilosophie und Expertise der leitenden Personen“, erläutert Kai P. Bender – auch dies ein Vorteil der kleinen Emissionshäuser.
Längere Zeit nicht mit einem Fonds auf dem Markt zu sein, das kann auch die Norddeutsche Vermögen geltend machen, wie Acron ein inhabergeführtes Unternehmen, aber eines der größten Schiffsfonds-Emissionshäuser. Es handelt sich hier also nicht um einen Vorteil der kleinen, sondern der inhabergeführten gegenüber den großen börsennotierten Gesellschaften.
Mit einem platzierten Kapital von 41,6 Millionen gehörte Premicon, der Spezialist für Fluss-Kreuzfahrtschiffsfonds im Jahr 2006 zu den kleineren Emissionhäusern. Seit der Gründung des Unternehmens zeichneten Anleger für mehr als rund 210 Millionen Euro Premicon-Fonds. „Und insgesamt kam das Unternehmen 2006 auf einen Jahresumsatz von 120 Millionen Euro“, bemerkt Premicon-Vorstand Alexander Nothegger. Premicon ist damit kein kleiner mehr, war dies aber, als es die Marktnische Flusskreuzfahrtschiffe für den geschlossenen Fonds entdeckte. „Aber wir arbeiten nach wie vor mit einem kleinen, motivierten Team“, fügt der Premicon-Vorstand hinzu.
Sind kleine Emissionshäuser die natürliche Anlaufstelle für Kleinanleger? „Einer unserer Vorteile ist die größere Nähe zum Vermittler und damit zum Anleger“, stellt Castor-Geschäftsführer Soboll heraus. „Wir können individueller nach Kundenwünschen gestaltete Fonds auflegen“, meint Kai-Michael Pappert, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der PCE Premium Capital Emissionshaus GmbH.
Allerdings tun das die Marktführer auch, aber für die großen Vermittlerpools oder die Bankenvertriebe. Hier handelt es sich dann manchmal um Fonds in der Größenordnung von 100 Millionen Euro und mehr. Aber die kleinen Emissionshäuser, die sich auf eine Produktlinie, eine Marktnische oder Investitionen geringerer Größenordnung konzentrieren, können hier ein besonderes Know-how entwickeln. Dieses können sich die Großen allerdings einkaufen und das tun sie auch, wenn sie die Produktpalette erweitern. In jedem Fall sollte zunächst der Fonds im Blickpunkt stehen, nicht die Größe des Initiators, sondern sein Track Record, und wenn der noch nicht vorhanden ist, die handelnden Personen des Initiators.
Auf den Punkt gebracht
Zahlreiche Innovationen kamen in der Vergangenheit von kleinen Initiatoren. Diese haben es aber schwer, sich gegen die Platzierungskraft der Großen zu behaupten.Sie bewegen sich daher in Marktnischen, die sehr interessant sein können. Die vielen großen Schiffe zum Beispiel, die von den Marktführern bestellt wurden, benötigen die kleinen Feeder,um die Container zu verteilen. In der Regel sind die kleinen Emissionshäuser Ein-Produkt-Unternehmen – anders als die großen, die eine breite Palette von geschlossenen Fonds anbieten. Aber auch die Kleinen sinnen über eine Erweiterung der Angebotspalette nach, wenn sie weiter wachsen wollen.
Fonds exklusiv, November 2007
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