FondsMedia ExpertTalk AppenCapital
Interviewgast: Oliver Harms - Generalbevollmächtigter
TalkBackground:
Die im Jahr 2005 gegründete AppenCapital GmbH & Co. KG ("AppenCapital") ist Teil der Appen Gruppe und stellt ein junges Emissionshaus mit Fokus auf Schiffsfonds dar. Geschäftsführende Gesellschafter von AppenCapital sind die Herren Robert von Appen und Hendrik Ihrke. Mit Blick auf die Schiffahrtsgesellschaft Detlef von Appen mbH kann AppenCapital auf vierzig Jahre Schifffahrtserfahrung zurückgreifen. Neben der Zentrale in Hamburg bestehen weitere Büros in Düsseldorf und Antwerpen. Herr Hendrik Ihrke bringt eine langjährig gewachsene Erfahrung aus dem Projektmanagement für geschlossene Fonds, insbesondere der Konzeption und dem Controlling, in das in Hamburg ansässige Unternehmen ein. Mit dem MS "Appen Paula" handelt es sich um den zweiten Publikumsfonds aus dem Hause AppenCapital. FondsMedia freut sich, mit Herrn Oliver Harms, Generalbevollmächtigter der AppenCapital Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG, die bisherige Marktresonanz, aktuelle Fondsentwicklungen und Hintergründe zu AppenCapital persönlich nachfragen zu dürfen.
FondsMedia: Herr Harms, Anbieter von Schiffsfonds gibt es reichlich. Welche Vision führte im Kern zur Gründung von AppenCapital? Welche Hürden gilt es zu überwinden? Wie reagiert der Vertrieb auf Ihr Unternehmen?
O. Harms: Der Entschluss, mit AppenCapital ein Emissionshaus für geschlossene Beteiligungen auf die Beine stellen zu wollen, ist nicht über Nacht gefallen, sondern das Ergebnis einer langen Vorbereitungszeit und eines intensiven Gedankenaustauschs zwischen allen Beteiligten. Robert von Appen und Hendrik Ihrke kennen sowohl die Schifffahrtsmärkte als auch die Fonds-Branche sehr genau, vor allem durch ihre vorangegangene Tätigkeit innerhalb der Rickmers Gruppe und dem dazugehörigen Emissionshaus ATLANTIC. Mit unserer Muttergesellschaft, der Schiffahrtsgesellschaft Detlef von Appen, haben wir einen Partner an der Seite, der über 40 Jahre gewachsenes Schifffahrts-Know-how verfügt; ein Wissen, an dem AppenCapital maßgeblich partizipiert. Diese Konstellation eines dynamischen, innovativ geprägten Emissionshauses im Verbund mit einem eingesessenen, renommierten Schifffahrtsunternehmen sowie die langfristig hervorragenden Aussichten für die Schifffahrtsbranche stellten eine perfekte Ausgangssituation für die Konzeption und Begleitung attraktiver Beteiligungsprodukte aus dem Hause AppenCapital dar – und der bisherige Erfolg gibt uns Recht.
Natürlich gab es – und gibt es nach wie vor – Hürden zu überwinden. Beispielsweise kann ein erst 2005 gegründetes Emissionshaus wie AppenCapital natürlich keine viele Seiten umfassende Leistungsbilanz zu den initiierten Fonds vorweisen, aus der sich Aussagen über die langfristige Performance unseres "Portfolios" ableiten ließen. Das bremst uns im ersten Moment sowohl bei der Projektakquisition als auch im Vertrieb manchmal etwas ein; wer uns dann aber genauer kennenlernt und sich unsere Fondskonzepte im Detail ansieht, ist von dem, was wir tun, in der Regel genauso zu 100 Prozent überzeugt, wie wir es sind.
Ähnlich verhält es sich auch mit unseren Vertriebspartnern. Unser Geschäft ist maßgeblich von persönlichen Kontakten und dem Vertrauen in das Können bestimmter Personen geprägt. Dieses Vertrauen wird uns durch unsere langjährige Erfahrung in der Fonds-Branche und gewachsene, freundschaftliche Geschäftsbeziehungen von vielen Vertriebspartnern geschenkt.
FondsMedia: Wo sehen Sie die Vorteile aus dem Zusammenschluss eines Emissionshauses für Schiffsfonds mit einer Reederei, wie bei AppenCapital gegeben. Wie vermeiden Sie Interessenskonflikte, beispielsweise bei erhöhten Betriebskosten? Immerhin sitzen ja Fondsmanager und Vertragsreeder praktisch an einem Tisch.
O. Harms: Wir sehen gerade in der engen Kooperation zwischen dem Initiator AppenCapital und der Reederei Appen Carriers einen bedeutenden Vorteil, was das professionelle Management und Controlling unserer einzelnen Schiffsgesellschaften angeht. Emissionshaus und Vertragsreeder führen unter dem Dach der Appen Gruppe einen ständigen direkten Dialog miteinander. Bei Themen wie den von ihnen angesprochenen erhöhten Betriebskosten kann daher unverzüglich gemeinsam ein Lösungsansatz erarbeitet werden, wie mit solchen Entwicklungen umzugehen ist und diesen gegebenenfalls entgegengewirkt werden kann. Hiervon profitiert vor allem der Anleger, dessen Interessen bei uns oberste Priorität genießen.
Die Gefahr der Entstehung von Interessenskonflikten ist bei voneinander unabhängigen Partnern unserer Meinung nach viel größer als in der Zusammensetzung, wie sie bei uns gegeben ist. Nicht jeder externe Reeder bringt das Verständnis für geschlossene Fonds und das Bewusstsein mit, dass Gelder privater Investoren in "seinem" Schiff stecken. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein durchdachtes Vertragskonstrukt, das die Rechte, Pflichten und Kompetenzen aller Parteien von vornherein verbindlich regelt.
FondsMedia: Mit dem MS "Appen Paula" handelt es sich um den zweiten Publikumsfonds von AppenCapital. Sie haben auch einige Private Placements auf die Beine gestellt. Hier wurde bereits ein Schiff kurzfristig veräußert. Uns interessiert, mit welcher Performance die Investoren rechnen dürfen.
O. Harms: Das MS "Irish Sea" konnte nach nur rund zwei Jahren bereits erfolgreich veräußert werden. Die Anleger dürfen sich über einen Gesamtrückfluss von ca. 132 Prozent nach Liquidation der Gesellschaft freuen; wie gesagt, nach gerade mal zwei Jahren! Die Rendite liegt damit weit oberhalb des ursprünglich prospektierten Wertes. Das freut uns sehr. Wir sind sicher, dass unsere anderen bestehenden Fonds ähnliche Ertragschancen haben und zum gegebenen Zeitpunkt auch diese die Anleger zufriedenstellen werden. Auch bei zukünftigen AppenCapital Produkten wird ein chancenreicher Exit als ein Bestandteil des Gesamtkonstruktes mit einfließen.
FondsMedia: Herr Harms, die Appen Paula – der aktuelle Schiffsfonds von AppenCapital mit einem 1.000 TEU-Containerschiff – war bis Februar 2008 verchartert. Ab März wurde in der Fondskonzeption pro Tag eine Bruttocharter von US$ 12.950 eingeplant. Wie sieht es aktuell aus?
O. Harms: Uns ist es gelungen, für das MS "Appen Paula" eine zwölfmonatige Beschäftigung ab März 2008 zu einer Charterrate in Höhe von US$ 13.100 pro Tag bei CSAV zu schließen. Die realisierte Charterrate liegt damit oberhalb der Prospektannahme. Mit CSAV, der größten Schifffahrtsgesellschaft in Lateinamerika, haben wir zudem einen renommierten Partner mit einem Dynamar-Rating von 2-3 gewinnen können. Um Ihre Frage also abschließend zu beantworten: sehr gut sieht´s aus.
FondsMedia: Sofern man zur Zeit im US$ einkaufen geht, ergeben sich aus dem schwachen Kurs zum Euro Währungsvorteile. Sie hatten für die Appen Paula in der Investitionsphase mit einem Kurs von 1,40 gerechnet. Konnten Sie Einsparungen durch den nachgebenden Kurs realisieren? Und wenn ja, in welcher Höhe? Weiterhin würde uns interessieren, ob für den Fonds tatsächlich der japanische Yen eingedeckt wurde, der bis zu 25% der Fremdmittel lt. Prospekt ausmachen könnte.
O. Harms: In der Tat haben wir von der US$-Entwicklung bei Übernahme des Schiffes Ende September letzten Jahres entscheidend profitiert. So konnte durch Währungsgewinne im Verhältnis EUR zu US$ ein Mehrerlös der Fondsgesellschaft in Höhe von rund EUR 1 Million generiert werden. Dieser Mehrerlös soll für Sondertilgungen verwendet werden, was einen Tilgungsvorsprung von rund einem Jahr gegenüber der ursprünglichen Prospektkalkulation zur Folge hätte. Anlegern können somit höhere Auszahlungen zum Laufzeitende in Aussicht gestellt werden.
Von der Möglichkeit, die Fremdmittel zu 25% in YEN aufzunehmen, haben wir Gebrauch gemacht, um so die daraus resultierenden Zinsvorteile zu nutzen. Gleichwohl ist auch das einhergehende Währungsrisiko durch die maximale Eindeckung von 25% der gesamten Fremdmittel in YEN überschaubar, denkt man an frühere Konzepte, bei denen man noch mit 50% YEN-Anteil gearbeitet hat.
FondsMedia: Herr Harms, der US$-Zins hat nachgegeben. Konnten Sie gegenüber der Prospektkalkulation Zinsvorteile erzielen? Würden Sie unseren Lesern bei Einsparungen deren konkrete Höhe erläutern, beispielsweise durch Umrechnung auf das Eigenkapital?
O. Harms: Die Fondsgesellschaft steht kurz vor dem Abschluss eines Zinssicherungsgeschäftes, das die Festschreibung des US$-Anteils des Schiffshypothekendarlehens für fünf Jahre auf 4,7 Prozent p. a. vorsieht. Gegenüber dem im Emissionsprospekt zugrunde gelegten Wert von 6,5 Prozent p. a. ergäbe sich somit eine deutliche Verbesserung des Zinsniveaus.
Konkret heisst das, dass auf Basis der Fondskalkulation und unter ausschließlicher Betrachtung des geänderten Zinsniveaus eine Ersparnis bei den Zinsaufwendungen in Höhe von ca. USD 1,2 Mio. erzielt wird. Was bedeutet, dass bei Unterstellung des im Fondsangebot angenommenen Wechselkurses von EUR/USD 1,40 eine Mehrliquidität auf EUR-Basis in Höhe von rund TEUR 870 zur Verfügung steht und somit ca. 10% mehr Auszahlungen an die Anleger über die Gesamtlaufzeit betrachtet ausgekehrt werden können.
FondsMedia: Herr Harms, mit dem MS "Appen Paula" handelt es sich aus unserer Sicht um einen chancenorientierten Schiffsfonds, der marktnah operiert. Grund: Feederschiffe werden im Regelfall eher kurzfristig verchartert. Ist das ein Manko oder finden sich genug Berater, die mit ihren Anlegern auf stabile oder steigende Märkte setzen? Wie verläuft die Platzierung, immerhin brauchen Sie rd. zehn Millionen Euro Zeichnerkapital.
O. Harms: Es ist richtig, dass Feederschiffe grundsätzlich kürzere Charterlaufzeiten aufweisen als größere Einheiten. Lange Charterlaufzeiten sollen dem Anleger oftmals Einnahmesicherheit suggerieren – ein Ansatz, den wir bei AppenCapital so nicht verfolgen. Feederdienste werden nun mal kurzfristig auf verschiedenen Strecken eingesetzt. Der Linienbetreiber im Feederdienst passt sich den Verteilungsströmen, z.B. Intra-Asien, sehr schnell an. Anders als bei den üblichen Kontinent-Verkehren wie zwischen Asien und Europa, wo man sicherlich langfristige Planungen zu Grunde legen kann. Grundsätzlich befinden wir uns nach wie vor in Zeiten eines boomenden Seeverkehrs. Dieses Chancenpotenzial, dass die Schifffahrtsmärkte dem Anleger offerieren, wollen wir nicht beschneiden. Das Konzept bei einer unternehmerischen Beteiligung sollte eben Chancen und Risiken ausgewogen berücksichtigen.
Für uns sind insbesondere das Anlageobjekt – sprich das Schiff selbst – , das Marktsegment und die Auswahl erstklassiger Partner, und hierzu gehört auch ein bonitätsstarker Charterer, bei der Konzeption unserer Fonds von zentraler Bedeutung. Feederschiffen werden rosige Zeiten prophezeit, da sind sich die Experten einig. Seit 1990 wächst der Transshipment-Verkehr jedes Jahr um 14 Prozent. Bis 2010 wird in Nordeuropa und im Baltikum ein Zuwachs um bis zu 68 Prozent gegenüber 2004, in Südeuropa und im Mittelmeerraum sogar um bis zu 97 Prozent erwartet. Das Netto-Wachstum der Feederschiffe im Segment von 500 bis 1.500 TEU liegt angesicht des moderaten Auftragsbestands und des großen Verschrottungspotenzials der derzeitigen Flotte bei lediglich 5 bis 6 Prozent jährlich – bei einem Wachstum des weltweiten Containerumschlags im zweistelligen Bereich. Ideale Voraussetzungen also für eine Investition in dieses Größensegment. Das sehen auch die Vertriebspartner so, die AppenCapital bei diesem Projekt begleiten und dazu beigetragen haben, dass die Hälfte des Eigenkapitals von EUR 8,4 Millionen bereits eingeworben werden konnte.
FondsMedia: Abschließend eine vielleicht ketzerisch anmutende Frage. Warum sollten Berater mit AppenCapital überhaupt zusammenarbeiten? Wo sehen Sie die entscheidenden Unterschiede, beispielsweise zu den Emissionshäusern mit dreistelligen Millionenumsätzen?
O. Harms: Die Attraktivität eines Emissionshauses für den Vertrieb ergibt sich nicht aus den Platzierungszahlen des Unternehmens. Was will denn der Vertriebspartner? Zunächst einmal sucht er in dem Emissionshaus einen zuverlässigen Partner mit direkten und schnellen Kommunikationswegen. Eine individuelle, unkomplizierte Vertriebsunterstützung ist ein weiteres Kriterium für den Vertrieb. Daneben sind – vor dem Hintergrund der Anlagesicherheit für seine Kunden – Top-Produkte mit einem eher konservativen Konzeptionsansatz von großer Bedeutung bei der Beurteilung eines Initiators. Last but not least - der Vertrieb will natürlich auch Geld verdienen.
Alles Dinge, die wir bei AppenCapital professionell leisten. Die Möglichkeit, auf individuelle Bedürfnisse unserer Vertriebspartner einzugehen und schnell und flexibel reagieren zu können, ist bei einem – in Bezug auf die Anzahl der Mitarbeiter – noch recht kleinen Unternehmen wie AppenCapital wahrscheinlich eher gegeben als bei einem großen Anbieter, wo starre Strukturen und Hierarchien in solche Fällen eher bremsend wirken. Ein "kleines" Emissionshaus zu sein kann durchaus von Vorteil sein.
FondsMedia: Herr Harms, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen AppenCapital weiterhin viel Spaß und Erfolg.
FondsMedia ExpertTalk, März 2008
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