Deutsche Werften profitieren vom Boom des Welthandels
Schiffbauer gut ausgelastet - Containerfahrzeuge sind besonders gefragt
Düsseldorf - Der anhaltende Boom des Welthandels läßt die Auftragsbücher der deutschen Werften anschwellen. Allein im ersten Halbjahr 2005 bestellten deutsche und internationale Reeder 98 neue Schiffe bei den 35 heimischen Seeschiffswerften, zwölf mehr als im gesamten Jahr davor, so der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM).
Getragen wird der nun schon seit drei Jahren anhaltende Branchenaufschwung von der hohen Nachfrage nach Containerschiffen. Rund zwei Drittel des gesamten Auftragsvolumens von 3,7 Mrd. Euro entfielen in diese Kategorie. Bei einem Auftragsbestand von 206 Schiffen sei die Beschäftigung für die rund 23 000 im Handelsschiffbau arbeiten-den Menschen rein rechnerisch für mehr als drei Jahre gesichert.
Die deutschen Werften rangierten im Weltvergleich auf Platz vier nach den Koreanern, den Japanern und den Chinesen, sagte VSM-Hauptgeschäftsführer Werner Lundt. Wie lange der gegenwärtige Aufschwung anhalten werde, sei schwer abschätzbar. Sollte sich aber das Wirtschaftswachstum Chinas fortsetzen und damit der Welthandel weiter florieren, sei ein Ende vorerst nicht in Sicht. Zu Beginn der aktuellen Aufschwungphase hatte es im deutschen Schiffbau noch geheißen, man profitiere in erster Linie von Containerschiffsaufträgen, weil die Marktführer aus den Mega-Werften in Korea die Nachfrage nicht schnell genug bedienen könnten.
Von einer Lückenbüßerfunktion ist heute im hiesigen Schiffbau keine Rede mehr. Es seien keine pessimistischen Stimmen mehr zu hören, die ein Ende des Booms mit der Vergrößerung der Kapazitäten in Fernost prognostizierten, heißt es in der Branche. Die deutschen Werften bauten zwar nicht die ganz großen Containerschiffe, seien dafür aber spezialisiert auf kleine und mittlere Größen. Und jedes große Containerschiff ziehe Aufträge für mehrere kleinere nach sich. "Wer heute ein mittelgroßes Schiff, etwa für 1500 Container haben will, der kommt an Deutschland nicht vorbei", zeigte sich Lundt überzeugt.
Die Käufer schauten heute nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Termintreue und Qualitätsarbeit, begründete ein Branchenvertreter die gute Situation der heimischen Werften. Problematisch könne es werden, wenn Chinas im Bau befindliche Großwerften mit der Produktion begännen.
DIE WELT, 25. August 2005
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